
Poker
Gezockt wird seit den Anfängen der Zivilisation. Kein Wunder also, dass so mancher Dauerbrenner unter den Gesellschafts- und Glücksspielen eine lange, wandlungsvolle Geschichte hat.
Poker: Die Evolution eines Welterfolgs
Gezockt wird seit den Anfängen der Zivilisation. Kein Wunder also, dass so mancher Dauerbrenner unter den Gesellschafts- und Glücksspielen eine lange, wandlungsvolle Geschichte hat.
Dazu zählt Poker. Millionen von Menschen weltweit sind Fans des intellektuell anspruchsvollen Kartenspiels, das in erster Linie mit den USA in Verbindung gebracht wird. Doch seine Ursprünge reichen viel weiter zurück – auch geographisch.
Ein enger Verwandter des modernen Pokers ist das im 16. Jahrhundert im damaligen Persien entwickelte As Nas. Das Kartenspiel besaß bereits damals eine festgelegte Hierarchie bei den Blättern, so dass die stärkste Hand gewann. Ass, König, Dame, Bube und Zehn waren von Anfang an unter den Symbolen und wie im Poker wurde mit Begeisterung geblufft. Gespielt wurde As Nas mit jeweils fünf Karten und das Aussteigen bei schwachen Starthänden war ebenfalls erlaubt.
Weitere Einflüsse stammen aus Frankreich und Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert. Poque beziehungsweise Pochen wurde mit jeweils 6 Personen gezockt, und Elemente wie setzen und halten waren wichtige Teile des Kartenspiels. Die Spieler stammten in erster Linie aus den unteren Schichten, die sich im Wirtshaus beim Zocken amüsierten.
In dieser Form trat das Spiel schließlich im frühen 19. Jahrhundert seinen Weg über den großen Teich an. Französische Seeleute und Auswanderer, die sich die Langeweile der Überfahrt nach Amerika mit Kartenspielen vertrieben hatten, brachten ihr Hobby mit in die Kneipen von New Orleans. Dort wurden die Amerikaner rasch aufmerksam auf das leicht zu erlernende Spiel, das schließlich seinen Weg auf dem Mississippi bis hin in den Wilden Westen und an die Ostküste fand.
Dabei wurde das Spiel immer weiter verfeinert. Einen allzu guten Ruf hatte es allerdings lange Zeit nicht. Falschspieler und Streits in den Saloons und auf den Glücksspieldampfern auf dem Mississippi wurden auch dank populärer Literatur und den frühen Western der Filmgeschichte zum Sinnbild des Pokerspiels.
Dass das Kartenspiel, bei dem es um Geld oder gar Gold als Einsatz ging, Schurken anlockte, ist unbestritten. Doch dank neuer Varianten wie Stud und Draw Poker, die bereits Anfang der 1860er Jahre während des Bürgerkriegs eingeführt wurden, gab es bald ein immer festeres Regelwerk, und Verstöße waren selbst in als gesetzlos verrufenen Teilen des Landes keine gute Idee.
Die wichtigste Neuerung in dem Spiel, das Spannung und Köpfchen wie kein anderes verband, kam Anfang des 20. Jahrhunderts, als Gemeinschaftskarten eingeführt wurden. Das aus dieser Zeit stammende Texas Hold‘ em, das mit zwei verdeckten Karten und fünf Gemeinschaftskarten gezockt wurde, ist noch heute die weltweit populärste Pokervariante.
Obwohl gerade in Europa das Pokerspiel vielfach als rau und aggressiv und damit für die unteren Klassen geeignet angesehen wurde, entdeckten Wissenschaftler das Spiel als faszinierendes Studienfeld. Mathematische Beweise über die Notwendigkeit des Bluffens beim Poker kündigte der in Budapest geborene US-Mathematiker und Spieltheoretiker John von Neumann bereits 1928 an. Die spieltheoretische Erklärung von Entscheidungen, die sich in erster Linie mit den psychologischen Aspekten des Pokerspiels beschäftigen, ist ebenfalls ein bis heute untersuchtes wissenschaftliches Feld.
Das trifft insbesondere beim Online-Poker zu, der zwar die Regeln des Spiels nicht verändert, aber dennoch seit den ersten virtuellen Spielbanken Anfang der 1990er Jahre die Pokerwelt umgekrempelt hat.
Das Zocken am Bildschirm erleichtert seitdem nicht nur den bequemen Zugang, es hat auch das Studium des Spiels vereinfacht. Weil Ablenkungen im Casino und Faktoren wie die Körpersprache der Gegner wegfallen, sind weniger Dinge abzuschätzen. Außerdem können sich Zocker beim Online-Poker jeden Spielzug notieren und die so gewonnenen Informationen anschließend in Ruhe analysieren.
Während die erfolgreichsten Pokerspieler aller Zeiten noch immer zum größten Teil aus Nordamerika stammen, hat das Online-Spiel das Feld erweitert. Im deutschsprachigen Raum hat sich Wien seit langem zur Pokerhochburg entwickelt. Zu verdanken hat die österreichische Hauptstadt das in erster Linie seinen Gesetzen – und Studenten-WGs. Während im Nachbarland Deutschland Online-Casinos erst seit Juli 2021 flächendeckend erlaubt sind, ist das in Österreich schon viel länger der Fall.
Der zum Studium nach Wien gezogene Deutsche Pius Heinz nutzte das nach Kräften aus. Er widmete sich nach seinen Vorlesungen intensiv dem praktischen und theoretischen Studium des Online-Pokers. Vier Jahre später wurde er 2011 im Alter von nur 22 Jahren in Las Vegas der erste deutsche Pokerweltmeister. Sein Sieg brachte ihm über Nacht Ruhm und rund 8 Millionen Euro Preisgeld ein. Ein weiterer Deutscher, der nach Wien gekommen war und dort zum Poker-Ass wurde, ist Fedor Holz. Der zum Studium nach Wien gezogene Berliner Koray Aldemir, der 2021 als dritter Deutscher in Las Vegas den Weltmeistertitel und 8 Millionen Dollar Preisgeld holte, hat ihm so einiges zu verdanken – und umgekehrt. Holz war einst auf der Suche nach einem Schlafplatz auf Aldemirs Couch gelandet, und die beiden Pokerasse freundeten sich an. Daraus entwickelten sich gemeinsame Anreisen zu Turnieren und der Austausch von Pokerstrategien.
Seit den ersten Partien in As Nas hat sich viel verändert. Noch mehr ist allerdings gleichgeblieben, inklusive der Popularität von klugen Spielen wie Poker.